Aktionsgemeinschaft Zahnarzthilfe Brasilien

Hier kommt der Zahnarzt oft nur ein Mal im Jahr vorbei

Unser Verein „Aktionsgemeinschaft Zahnarzthilfe Brasilien plus e.V.“ (AZB) organisiert seit über 30 Jahren Hilfseinsätze in die abgelegenen Armutsgebiete Brasiliens.

Flächenmäßig ist Brasilien das fünftgrößte Land der Welt und mit 214 Millionen Einwohnern der siebtgrößte Staat. Eigentlich ist das Gesundheitswesen hier so geregelt wie bei uns. Je nach Einkommen und beruflicher Situation sind die Menschen privat oder staatlich krankenversichert.

Für die staatlich versicherten Mitglieder sieht das Gesundheitssystem offiziell eine kostenlose medizinische Versorgung vor. Allerdings scheitert die Umsetzung vielerorts an einem durch und durch korrupten politischen System und auch daran, dass das Land so extrem groß ist und manche Regionen schlicht nur sehr schwer zugänglich sind. Ein Straßennetz im erbärmlichen Zustand und Gemeinden ohne Kanalisation oder fließendes Wasser sind in manchen Küstengebieten und im Hinterland bis heute keine Seltenheit.

Die Patienten müssen Spritzen selbst mitbringen

In den Favelas der Großstädte oder in abgelegenen ärmlichen Gebieten finden sich zwar häufig die „postos de saúde“, die kleinen Gesundheitsposten, die mit dem nötigsten medizinischen Equipment ausgestattet sind. Allerdings sind diese aus Personalmangel oder mangelndem Interesse gar nicht oder nur zeitweise mit Ärzten besetzt. Oft kommt der Zahnarzt nur ein Mal im Jahr vorbei und hat dann nicht genug Anästhetika zur Verfügung, um die vielen Patientinnen und Patienten adäquat zu behandeln. Wenn diese ihre Spritzen oder nötigen Medikamente nicht selbst zur Behandlung mitbringen können, warten sie oft stundenlang umsonst auf den medizinischen Eingriff. Das hat uns sprachlos gemacht.

Warum wir uns hier engagieren? Dr. Karl Schoof, ein Zahnarzt aus Baden-Baden, hatte im Jahr 1991 einen Aufruf in den zm gestartet, weil er von einem Patienten auf die prekäre medizinische Lage in Brasilien aufmerksam gemacht wurde. Der hatte Kontakt zu einem deutschen Hilfsprojekt in Varzem Grande bei Cuiabá in Mato Grosso, das dort medizinisch tätig war und von der evangelischen Kirche finanziert wurde. Schoof wollte dort mit anpacken und suchte für das Projekt weitere deutsche Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich in Brasilien engagieren wollten. Der Aufruf in den zm brachte damals spontan 13 „brasilienbegeisterte“ Zahnmediziner zusammen. Kurz darauf kam es zur Gründung unseres Vereins.

Seitdem hat sich in Brasilien und auch in unserer Vereinsarbeit immer wieder etwas geändert und wurde entsprechend angepasst. Das gemeinsame Engagement hat über all die Jahre enge Freundschaften und sogar Ehen hervorgebracht. Die drei Gründungsmitglieder Dr. Ulrich Wagner, Dr. Gerd Pfeffer und Dr. Jörg Schmoll sind seit der ersten Stunde aktiv im Vorstand tätig und bis heute mit Herz und Seele bei den Hilfseinsätzen dabei. Der gesamte Vorstand arbeitet ehrenamtlich und erhält keinerlei Vergütungen. 

Der erste Hilfsaufruf kam 1991 über die zm

Unser Vorstandsmitglied Dr. Gerd Pfeffer gab 1995 seine Praxis in Frankfurt auf, um mit seiner brasilianischen Ehefrau und den vier Kindern nach Brasilien auszuwandern. Heute lebt er in Vilas do Atlantico bei Salvador (Bahia) und betreibt dort eine eigene Zahnarztpraxis. Ohne seine Kontakte und hervorragenden Landeskenntnisse könnten wir unsere Hilfseinsätze nicht organisieren.

Er trifft die Menschen vor Ort und entscheidet, ob und wie ein Einsatz geplant wird. Je nach den Gegebenheiten werden die Behandlungen in einem stationären Gesundheitsposten ausgeführt. Aber meistens reisen wir mit unserem eigenen Dentomobil an, einer fahrbaren Zahnarzteinheit, die überall flexibel einsatzfähig ist.

In unserer 30-jährigen Erfahrung stellen Karies und Zahnstein die Hauptprobleme bei der Mundhygiene der sozial schwachen Bevölkerung dar. Deshalb ist uns besonders bei Kindern wichtig, neben Behandlungen auch Aufklärungsarbeit zu leisten und ihnen Zahnbürsten und Zahncreme an die Hand zu geben. Im Dentomobil können wir aus technischen Gründen keine Röntgenaufnahmen anfertigen. An der fest installierten Behandlungseinheit führen wir hauptsächlich Füllungen, Extraktionen und Prophylaxebehandlungen durch.

Unser Einsatz in Cabedelo

Für den Einsatz suchen wir engagierte Kolleginnen und Kollegen! Die AZBplus stellt den Zahnarzt-Teams Unterkunft und Verpflegung am Einsatzort und gibt ihnen ortsvertraute Kräfte an die Hand, die sprachlich und organisatorisch – sowie auf Wunsch als Behandlungsassistenz – unterstützend dabei sind. Wenn Sie Interesse haben zu helfen, dann ist es wünschenswert, wenn Sie mindestens 14 Tage Zeit für den Einsatz mitbringen könnten.

Unser Verein finanziert die brasilianischen Hilfseinsätze ausschließlich durch private Geldspenden und über Erlöse aus Altgoldspenden von teilnehmenden Praxen. Mit weit über 300 Ärzteteams konnten bisher etwa 650.000 Patienten in sozial schwachen Regionen, Slums und Reservaten von Indios in Brasilien behandelt werden.

Als karitativer und mildtätiger Verein kann die AZBplus Zuwendungsbestätigungen über die Reisekosten ausstellen, die zu 100 Prozent steuerlich absetzbar sind. Nähere Informationen zu den Einsatzbedingungen finden Sie unter www.azb-brasilien.de.

Wir freuen uns über Altgoldspenden aus Zahnarztpraxen oder finanzielle Unterstützung auf unser Spendenkonto:

AZBplus e.V.
Sparkasse Karlsruhe Ettlingen
IBAN: DE17 6605 0101 0022 1127 59
BIC: KARSDE66

Wegen der Corona-Pandemie mussten wir unsere Auslandseinsätze in den vergangenen drei Jahren unterbrechen. Umso mehr freuen wir uns, dass nach einer Modernisierung und kompletten Überholung des Dentomobils ein neuer Einsatz-Zyklus von Anfang April bis Ende Juni 2024 stattfinden wird. Während dieser drei Monate werden wir die sozial schwache Bevölkerung in der Küstenstadt Cabedelo behandeln. Die Gemeinde Cabedelo ist auf einer Halbinsel im Nordosten Brasiliens im Bundesstaat Paraiba angesiedelt und hat etwa 60.000 Einwohner.

Clarissa Delpy

Vorstand der Aktionsgemeinschaft Zahnarzthilfe Brasilien plus e.V. (gemeinsam mit Ihrem Mann Dr. Ulrich Wagner) und Schatzmeisterin
Aktionsgemeinschaft Zahnarzthilfe Brasilien plus e.V.

Melden Sie sich hier zum zm-Newsletter des Magazins an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Heft-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm Online-Newsletter und zm starter-Newsletter.