Aus der Wissenschaft

Welche Folgekosten haben Implantate?

Florian Beuer
Implantatprothetische Versorgungen sind initial oft teuer. Dabei wird häufig übersehen, dass auch Geld für die „Wartung“ und Pflege anfällt. Bisher gibt es jedoch nur wenige belastbare Daten darüber, mit welchen langfristigen Kosten Patienten rechnen müssen. Ein Forscherteam aus der Schweiz hat sich jetzt mit dieser Frage beschäftigt.

Die Implantation künstlicher Pfeiler zur festsitzenden Restauration verlorener Zähne ist mittlerweile eine Standardtherapie. Durch die Optimierung der Implantathardware, der prothetischen Versorgungen und der Behandlungsprotokolle gelten implantatprothetische Versorgungen als sichere Restaurationsoption. Allerdings sind Implantate im Vergleich zu natürlichen Zähnen anfälliger für Komplikationen. Insbesondere das Implantatlager kann von Entzündungen des Hart- und Weichgewebes betroffen sein. Viele Studien beschreiben die Überlebens- und Erfolgsraten von Implantaten sowie auftretende Komplikationen und deren Behandlung. Die tatsächlichen langfristigen Kosten werden dabei jedoch selten betrachtet.

Methoden

In die prospektive, randomisierte klinische Studie wurden 64 Patienten aufgenommen und zufällig auf zwei verschiedene Implantatsysteme aufgeteilt: Astra Tech Osseospeed (Dentsply Sirona Implants) und Straumann Bone Level Implants, SLActive (Straumann AG). Patienten mit Taschensondierungstiefen von mehr als 4 mm wurden nicht in die Studie aufgenommen.

Die Implantation erfolgte zwischen Februar und Dezember 2009 nach den Herstellerangaben. Falls erforderlich, wurde eine Knochenaugmentation mittels Guided Bone Regeneration (GBR) durchgeführt. Die festsitzenden prothetischen Versorgungen wurden je nach Präferenz des Behandlers entweder verschraubt oder zementiert.

Alle Patienten wurden jährlich zu Erhaltungshygienesitzungen einbestellt, wobei neun Prozent zwei Sitzungen pro Jahr benötigten. Kontrolluntersuchungen mit Röntgenaufnahmen, Taschensondierungstiefenmessungen (am Implantat und an den Nachbarzähnen), der Erhebung von Blutungsneigung und Plaqueaufkommen wurden nach einem, drei, fünf, acht und zehn Jahren durchgeführt. Alle aufgetretenen biologischen und technischen Komplikationen wurden behandelt, wobei Zeitaufwand und Kosten erfasst wurden. Die Kostenberechnung erfolgte nach dem Schweizer Honorierungssystem und wurde in Relation zu den initialen Therapiekosten gesetzt.

Zu Behandlungsbeginn waren 17 Patientinnen und 16 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren in der Gruppe Astra sowie 21 Patientinnen und 10 Patienten mit einem mittleren Alter von 54,3 Jahren in der Gruppe Straumann. Von den 97 inserierten Implantaten befanden sich 68 im Ober- und 29 im Unterkiefer. Von den initial insgesamt 64 Patienten (33 Gruppe Astra, 31 Gruppe Straumann) mit 97 Implantaten konnten nach zehn Jahren noch 43 Patienten (23 Gruppe Astra, 21 Gruppe Straumann) mit insgesamt 69 Implantaten nachuntersucht werden.

Ergebnisse

Insgesamt 45 Implantate (19 Gruppe Astra, 26 Gruppe Straumann) bei 26 Patienten (10 Gruppe Astra, 16 Gruppe Straumann) zeigten keine technischen Komplikationen, während 26 Patienten (16 Gruppe Astra, 10 Gruppe Straumann) frei von biologischen Problemen blieben.

Grundsätzlich waren bei einer technischen Komplikation durchschnittlich ein bis zwei Sitzungen bis zur Reparatur nötig. Die Lösung eines biologischen Problems erforderte im Durchschnitt 1,3 Termine. Zudem wurden in der Beobachtungszeit drei Implantate wegen Periimplantitis entfernt. Zusätzlich zu den routinemäßigen Hygieneterminen hatte jeder Patient 1,3 Reparaturtermine in der klinischen Beobachtungszeit von zehn Jahren.

Bei den technischen Komplikationen traten vor allem Schraubenlockerungen (43,4 Prozent) auf, die vor allem in den ersten drei Jahren und nur bei einem Implantatsystem (Astra) beobachtet wurden. Kleinere Verblendkeramikfrakturen waren mit 18,9 Prozent die zweithäufigste Ursache unerwünschter technischer Ereignisse. Schrauben- (9,4 Prozent) und Abutmentfrakturen (5,7 Prozent) folgten und beschränkten sich auf ein Implantatsystem (Astra). Bei den biologischen Komplikationen waren insgesamt fast 40 Prozent der Patienten betroffen (30,4 Prozent Gruppe Astra, 50 Prozent Gruppe Straumann). Periimplantäre Mukositis trat bei 30,2 Prozent der Patienten auf, während 9,3 Prozent eine Periimplantitis entwickelten.

Bei initialen Kosten pro Implantat mit Versorgung von 4.500 Schweizer Franken (CHF) kostete das Beheben der technischen Komplikationen in zehn Jahren durchschnittlich 205 CHF und die Behandlung der biologischen Komplikationen durchschnittlich 212 CHF. Zählt man die jährlichen Hygienekosten und die Untersuchungskosten hinzu, errechneten die Autoren jährliche Kosten von 404 CHF, was neun Prozent der initialen Kosten entspricht.

Diskussion

Langfristige Studien, die sich detailliert mit allen aufgetretenen Komplikationen befassen, sind selten. Besonders aufschlussreich ist die Wahrscheinlichkeit technischer und biologischer Probleme in einem gut selektierten Patientenkollektiv („Best-Case-Szenario“). Die Berücksichtigung der langfristigen Kosten ist sowohl für Behandler als auch für Patienten wichtig.

Mit jährlichen Instandhaltungskosten von etwa zehn Prozent der ursprünglichen Therapiekosten ist eine realistische Einschätzung möglich. Dies mag zunächst hoch erscheinen, jedoch sind hier auch die Hygienemaßnahmen enthalten, die für ein natürliches Gebiss notwendig wären. Auffällig ist zudem, dass sich die technischen Komplikationen fast ausschließlich auf ein Implantatsystem (Astra) beschränkten, während das andere System (Straumann) mehr biologische Komplikationen aufwies.

Die Analyse zeigte zudem erhebliche Unterschiede: Eine Abutmentfraktur verursachte 27 Prozent der initialen Kosten. Die Behandlung einer Periimplantitis belief sich auf 19 Prozent der Anschaffungskosten eines Implantats.

Fazit für die Praxis

  • Festsitzende Implantatversorgungen erfordern innerhalb von zehn Jahren regelmäßige Wartung und Reparaturen.

  • Die jährlichen Folgekosten betragen etwa zehn Prozent der ursprünglichen Implantatkosten.

  • Das verwendete Implantatsystem beeinflusst sowohl die Häufigkeit technischer als auch biologischer Komplikationen.

  • Diese Erkenntnisse können helfen, Patienten realistisch über langfristige Kosten und Risiken aufzuklären und dadurch fundierte Therapieentscheidungen zu treffen. 

Die Studie:
Pirc M, Gadzo N, Balmer M, Naenni N, Jung RE, Thoma DS: Maintenance Costs, Time, and Efforts Following Implant Therapy With Fixed Restorations Over an Observation Period of 10 Years: A Randomized Controlled Clinical Trial. Clin Implant Dent Relat Res. 2025 Feb;27(1):e13405.

Florian Beuer

Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer

Direktor der Abteilung für
Zahnärztliche Prothetik, Funktionslehre
und Alterszahnmedizin, Centrum für
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde,
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Aßmannshauser Str. 4-6, 14197 Berlin
florian.beuer@charite.de

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