Zwölf Organisationen legen Positionspapier vor

Bündnis fordert Ernährungswende von neuer Bundesregierung

LL
Gesellschaft
Ein breites Bündnis aus Ernährungs-, Gesundheits- und Umweltorganisationen drängt auf eine zukunftsfähige Ernährungspolitik, damit die Kosten für Gesellschaft und Wirtschaft nicht noch weiter steigen.

Anlässlich der Koalitionsverhandlungen fordern zwölf Organisationen des Bündnisses #ErnährungswendeAnpacken in einem Positionspapier die zügige und konsequente Umsetzung ernährungspolitischer Maßnahmen. Andernfalls würden erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten in den Bereichen Gesundheit, Umweltschutz und soziale Teilhabe drohen. Grundnahrungsmittel würden immer teurer, ohne dass die Preise einen wesentlichen Beitrag zur Deckung der Produktionskosten auf den Höfen leisteten, warnen die Organisationen.

Eine gesunde und nachhaltige Ernährung müsse für alle Verbraucher leistbar sein und zur einfachsten Wahl werden. Bereits verursachte ökologische, wirtschaftliche und soziale Kosten des Ernährungssystems und zukünftige Kosten der notwendigen Transformation müssen vom Verursacher getragen werden und dürften nicht einfach auf die Konsumenten, einzelne Produzenten und das Lebensmittelhandwerk verschoben werden.

„Eine pflanzenbetonte Ernährung für alle und von Anfang an ist ein entscheidender Hebel für die Gesundheit von Mensch und Planet", sagt Saskia Wendt, Ökotrophologin und Expertin für nachhaltige Ernährung bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG). „Wir fordern die kommende Bundesregierung auf, die Empfehlungen des Bürgerrats Ernährung im Wandel als Standard in Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Kantinen zu folgen – im Einklang mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.”

Das Bündnis #ErnährungswendeAnpacken priorisiert sechs Handlungsfelder: 

  1. Die Stärkung einer pflanzenbetonten Ernährung und Landwirtschaft durch eine priorisierte Förderung von kurzen Lieferwegen, regionalen Verarbeitungs- und Versorgungsstrukturen und eine schnelle Fertigstellung und Umsetzung der angekündigten Proteinstrategie.

  2. Eine Neuausrichtung der Lebensmittelbesteuerung und gesetzlichen Einordnung von Grundnahrungsmittel ausgerichtet auf gesunde, pflanzenbasierte, klimafreundliche und nach Bio-Standard erzeugte Nahrungsmittel im Sinne der Empfehlungen des Bürgerrates und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

  3. Die Umsetzung des Rechts auf angemessene Nahrung als Teil der Daseinsvorsorge durch die Gewährleistung von angemessenen Sozialleistungen, Ernährungsangeboten, fairen Arbeitsbedingungen, der Lieferkettensorgfaltspflicht entlang der gesamten Wertschöpfungskette und der Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle für Lebensmittel mit entsprechender Beschwerdekompetenz.

  4. Verbesserte Gemeinschaftsverpflegung in Schulen, Kitas, Pflegeheimen, Krankenhäusern und Betriebskantinen nach DGE-Qualitätsstandards und mit einer sukzessiven Erhöhung des Bio-Anteils auf 50 Prozent bis 2030. Eine beitragsfreie und qualitativ hochwertige Kita- und Schulverpflegung muss bundesweiter Standard werden, wobei der Bund mindestens die Hälfte der Kosten übernehmen sollte.

  5. Eine aktive Gestaltung von gesunden Ernährungsumgebungen auch durch verbindliche Rahmenbedingungen für die Bereiche Lebensmittelwerbung, Kennzeichnung, Nachhaltigkeit und Reduktionsziele für Zucker, Fett und Salz.

  6. Bilanzierung der Auswirkungen unserer Ernährungsgewohnheiten auf Umwelt, Gesundheit und Sozialverträglichkeit durch nachvollziehbares und transparentes Monitoring.

Das Positionspapier wird getragen von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG), der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM), dem Deutschen Netzwerk Schulverpflegung e.V. (DNSV), der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH, der Gütegemeinschaft Ernährungs-Kompetenz e.V., dem Institute für Welternährung e.V. (IWE), der MENSArevolution, dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), dem Netzwerk der Ernährungsräte e.V., der Physicians Association for Nutrition (PAN), Slow Food Deutschland e.V., dem Verband der Diätassistenten Deutscher Bundesverband e.V. (VDD) und der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv).

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