Mundspülung gegen Tripper

dg
Zahnmedizin
Tripper gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Besonders die Infektion mit Gonokokken im Rachenraum stellt ein Problem dar. Mundspülungen helfen, die Keimbelastung zu senken.

Die Gonorrhö ist eine in der ganzen Welt verbreitete Infektionskrankheit und stellt nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heute mit weltweit ungefähr 106 Millionen Erkrankungsfällen pro Jahr die dritthäufigste sexuell übertragbare Infektion dar. Ein besonderes Problem stellt dabei die Infektion mit Gonokokken im Mund- und Rachenraum dar. Gerade Männer, die Sex mit anderen Männern (MSM) haben, sind davon betroffen.

Ein Forscherteam um Dr. Eric Chow vom Sexual Health Centre der Universität in Melbourne hat in einer Studie herausgefunden, dass mit einer Mundspülung die Keimanzahl der Neisseria gonorrhoeae im Rachenraum gesenkt werden kann. Für die radomisierte, kontrollierte Untersuchung und einer in-vitro-Studie verwendeten sie zwei kommerzielle Mundspülungen (Listerine Cool Mint und Total Care).

Signifikante Reduzierung der Gonokokken-Zahl

Für das in-vitro-Verfahren wurden mit den verdünnten alkoholhaltigen Spülungen eine Gonokokken-Standardlösung von 108 koloniebildenden Einheiten pro ml (CFU / ml). Zur Kontrolle wurde eine Phosphat-gepufferte Salzlösung (PBS) verwendet. Ließen sie die Spülung eine Minute lang auf die Bakterien einwirken, konnten noch Verdünnungen bis 1:4 die Bakterienzahl signifikant reduzieren und unter 102 CFU/ml halten, dagegen lag der Wert mit PBS über 105 CFU/ml.

Für die radomisierte, kontrollierte Studie untersuchte Chow 196 Männer mit nachgewiesener Gonokokkeninfektion. Die Männer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die Hälfte durfte mit 20 Milliliter der Mundspülungen für eine Minute gurgeln, die Kontrollgruppe erhielt eine isotonische Salzlösung. Vor und nach der Anwendung wurden Rachenabstriche genommen, von den Abstrichen die Forscher Erregerkulturen anlegten.

Mundspülung als Präventionsmaßnahme

Dies gelang bei 58 Männern aus den Abstrichen unmittelbar vor der Spülung, davon befanden sich 33 in der Gruppe mit der Mundspülung, die übrigen 25 in der mit Kochsalzlösung. Nach der Mundspülung waren nur noch 17 der Männer mit der Spülung kulturpositiv (52 Prozent), aber nur 21 (84 Prozent) mit Kochsalzlösung. Entsprechend lag der Anteil der Männer, die nach dem Gurgeln kulturnegativ geworden waren, jeweils bei 48 Prozent und 16 Prozent (p = 0,013).

Ergebnisse: Das Spülen mit handelsüblichen Mundspülungen, wie etwa Listerine, führte zu einer signifikanten Reduktion der Gonokokkenkeime. Bei täglichem Gebrauch können Mundspülungen eine wichtige Präventionsmaßnahme darstellen. Allerdings sei es nötig, intensiv zu gurgeln und nicht nur den Mund zu spülen. 

Seit 2001 besteht in Deutschland keine Meldepflicht für Gonorrhö besteht. Nach Angaben des Robert Koch Instituts stehen daher kaum aktuelle epidemiologische Daten zur Verfügung. Es wird davon ausgegangen, dass es zwischen 10.000 bis 20.000 Fälle pro Jahr gibt.

Dr. Eric Chow, Benjamin P Howden, Sandra Walker, David Lee, Catriona S Bradshaw, Marcus Y Chen, Anthony Snow, Stuart Cook, Glenda Fehler, Christopher K Fairley, Antiseptic mouthwash against pharyngeal Neisseria gonorrhoeae: a randomised controlled trial and an in vitro studySex Transm Infect , doi:10.1136/sextrans-2016-05275, 20 Dezember 2016

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