Karl Häupl-Kongress 2025

Differenzialindikation und therapeutische Konzeption im Fokus

br
Zahnmedizin
Beim diesjährigen Karl Häupl-Kongress ging es um praxisnahe Entscheidungsprozesse. Rund 600 Teilnehmer waren am 22. März zur zentralen nordrheinischen Fortbildungsveranstaltung in den Kölner Gürzenich gekommen.

In der Eröffnungsrede machte Dr. Thomas Heil, Vizepräsident der Zahnärztekammer Nordrhein, zunächst deutlich, wie die zunehmende Bürokratisierung der Zahnmedizin die Arbeit der Zahnarztpraxen immer mehr belastet und die Patientenversorgung gefährdet: „Wir verbringen rund 25 Prozent unserer Arbeitszeit mit Bürokratie. In Zeiten des Fachkräftemangels müssen wir unsere Ressourcen gezielt dort einsetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden – bei unseren Patienten“, erklärte er.

Ethik statt Kosmetik

Auch die ethische Verantwortung in der Zahnmedizin wurde thematisiert. „Unsere Arbeit muss von Ethik geprägt sein, nicht von Kosmetik“, betonte Dr. med. habil. Dr. Georg Arentowicz. Besonders im Spannungsfeld zwischen ästhetischen Wünschen der Patienten und medizinischer Indikation müsse die Zahnmedizin ihre Prinzipien wahren. Jede therapeutische Entscheidung sollte auf einem medizinisch relevanten Ergebnis basieren. Würden Behandlungsmaßnahmen außerhalb der zulässigen Professionsgrenzen durchgeführt, bestünde die Gefahr, dass sie zur bloßen kosmetischen Dienstleistung degradiert und die Grundlagen des ärztlichen Handelns infrage gestellt würden. Eine leitlinienbezogene Berücksichtigung der evidenzbasierten Medizin sei zwar sinnvoll, sie werde jedoch niemals die ärztliche Kompetenz in der jeweiligen individuellen Patientensituation ersetzen.

Rundumblick über die zahnmedizinischen Disziplinen

Das wissenschaftliche Programm bot eine Vielzahl von Themen im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Evidenz und individuell zu findender Versorgungslösung für den Patienten. Prof. Dr. Peter Pospiech (Ludwigshafen) lieferte in seiner Präsentation „Differenzialtherapeutische Aspekte zur Versorgung des Lückengebisses“ praxisnahe Einsichten. Pospiech zeigte, dass festsitzender Zahnersatz zwar oft das Ziel ist, aber nicht immer die optimale Lösung darstellt. Hierbei wurde die Bedeutung von herausnehmbarem Zahnersatz hervorgehoben, der in vielen Fällen funktionale und ästhetische Vorteile bietet.

Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen (Bonn) stellte die aktuellen Empfehlungen der europäischen S3-Leitlinie der EFP zu Prävention und Behandlung der Periimplantitis vor. Periimplantäre Erkrankungen (Mukositis und Periimplantitis) spielten aufgrund ihrer hohen und zunehmenden Prävalenz eine immer wichtigere Rolle in der zahnärztlichen Praxis, sagte Jepsen. Angesichts der Tatsache, dass die Therapie einer Periimplantitis aufwendig, teuer und der Erfolg häufig wenig vorhersehbar sei, rücke die Prävention in den Vordergrund. Das konsequente Management einer Mukositis ist deutlich einfacher und könne Periimplantitis in vielen Fälle erfolgreich vorbeugen.

Ausblick

Nach dem Kongress ist vor dem Kongress: Am Samstag, 15. November 2025, von 9 bis 16.30 Uhr findet der Karl-Häupl-Kongress online unter dem Titel „Moderne Zahnerhaltung für Jung und Alt“ statt. Der Karl-Häupl-Kongress 2026 ist auch schon terminiert, dieser findet am 28. Februar 2026 statt.

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