Mehr Arbeitsausfall durch Depressionen
Während sich beim Krankenstand in Deutschland insgesamt eine leichte Entlastung abzeichnet, nimmt der Arbeitsausfall aufgrund psychischer Erkrankungen weiter zu, meldet die DAK. Bezogen auf 100 Beschäftigte führten psychische Diagnosen zu 342 Fehltagen, nach 323 Tagen im Vorjahr, heißt es. „Die häufigste Ursache waren auch 2024 die Depressionen. Der durch sie bedingte Arbeitsausfall stieg auf 183 Fehltage je 100 Beschäftigte an, 2023 waren es noch 122 Tage.“
„Die hohe Zahl psychischer Erkrankungen ist für die betroffenen Beschäftigten und ihre Arbeitgeber oft mit langen Fehlzeiten und einer Stigmatisierung verbunden“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Wir dürfen die Augen nicht länger verschließen, denn psychische Gesundheit ist ein zentraler Erfolgsfaktor für eine resiliente Gesellschaft und einen starken Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir brauchen eine verstärkte Aufklärung über die Ursachen und tabulose Informationen zu Depressionen und Angststörungen sowie unterstützende Angebote zur Stärkung der mentalen Gesundheit.“
Bereits im Herbst 2024 hatte der „Gesundheitsatlas Deutschland“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) berichtet, dass 2022 rund 9,49 Millionen Menschen in Deutschland von Depressionen betroffen waren und darauf hingewiesen, dass die Prävalenz der diagnostizierten Erkrankungen seit 2017 kontinuierlich gestiegen sei und zuletzt mit 12,5 Prozent einen neuen Höchststand erreicht hat. Das WIdO betonte damals, dass auch chronischer Stress ein Risikofaktor für Depressionen ist. Am Arbeitsplatz sei es daher wichtig, das psychische Wohlbefinden der Mitarbeitenden über Kriterien wie Entscheidungsspielraum, Kontrolle und Vorhersehbarkeit zu fördern. Aber auch Entwicklungsmöglichkeiten oder die Förderung von Fähigkeiten tragen demzufolge dazu bei, Mitarbeitende vor der Entwicklung psychischer Erkrankungen zu schützen. (zm berichtete).
Langwierige Fälle nehmen zu
Mit Blick auf die Diagnosen waren laut DAK auch 2024 die Depressionen besonders auffällig: Verursachten Depressionen im Jahr 2023 bezogen auf 100 DAK-versicherte Beschäftigte noch 122 Fehltage, waren es 2024 bereits 183 Tage. Die DAK betont aber, dass eine direkte Vergleichbarkeit dieser Werte aus methodischen Gründen nicht zulässig sei, „da sich die Häufung der Depressionsdiagnosen auch durch die veränderte Zählung bei mehreren Diagnosen pro AU-Fall ergeben kann“. In einer ersten Version des Psychreports hatte die DAK gemeldet, die Zahl der Depressionen hätte um 50 Prozent zugenommen. Später widerrief die Krankenkasse diese Deutung. Trotzdem gelte: Die aktuellen Zahlen seien korrekt.
Von dem Anstieg seien alle Altersgruppen betroffen, so der Report. Bei den Jüngeren gingen die Zahlen stufenweise bereits seit einigen Jahren nach oben, bei den älteren Altersgruppen gebe es 2024 hingegen einen sprunghaften Anstieg: „So kletterten die Fehlzeiten wegen Depressionen beispielsweise bei den über 60-Jährigen von 169 auf 249 Tage je 100 Beschäftigte hoch. Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen waren 2024 der zweithäufigste Grund für eine entsprechende Krankschreibung.“
Die Dauer einer durchschnittlichen Krankschreibung wegen einer psychischen Erkrankung lag 2024 mit knapp 33 Tagen nur minimal über dem Vorjahresniveau. Das Aufkommen langwieriger Krankschreibungen von 29 bis 42 Tagen ist hingegen gestiegen. „Es gab zwar auch einen Zuwachs bei den sehr kurzen Krankschreibungen von bis zu drei Tagen, aber diese Fälle haben mit neun Prozent deutlich weniger zugenommen.“
Auch die mentale Gesundheit der Beschäftigten mitdenken
Auch in der regionalen Verteilung zeigen sich starke Unterschiede: Am stärksten betroffen ist das Saarland mit 467 Fehltagen (pro 100 Beschäftigte) wegen psychischer Erkrankungen, gefolgt von Hamburg (386 Tage), Mecklenburg-Vorpommern (385 Tage), Brandenburg (380 Tage) und Nordrhein-Westfalen (376 Tage), während es in Thüringen (306 Tage), Bayern (298 Tage) und Baden-Württemberg (286 Tage) deutlich geringere Werte anfielen.
Angesichts der neuen Zahlen halten es Kassenexperten für notwendig, im betrieblichen Umfeld die mentale Gesundheit der Beschäftigten mitzudenken. Um arbeitsbedingte Belastungen zu reduzieren, sei es wichtig, die Strukturen und Prozesse im Unternehmen genau zu betrachten und die Mitarbeitenden an Veränderungsprozessen zu beteiligen. Die DAK-Gesundheit empfiehlt daher zur Prävention ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das systemisch angelegt ist und bei dem sich alle Beteiligten auf einen vertrauensvollen Umgang mit Be- und Überlastungen in ihrem Betrieb verlassen können.
Die DAK-Gesundheit ist eine der größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands und hat für den Psychreport 2025 die Daten von 2,42 Millionen DAK-versicherten Beschäftigten durch das Berliner IGES Institut auswerten lassen.