Studie zur Vertrauenswürdigkeit bei Chats

Vorsicht bei Videosprechstunden: Das Mikrofon macht's

mg
Praxis
Eine Studie zeigt, dass schlechte Tonqualität bei Videocalls die Bewertung von Zuhörenden maßgeblich beeinflussen kann. Unter Umständen wird der Sprecher als weniger intelligent und glaubwürdig bewertet.

Diese Effekte könnten eine potenzielle Quelle unbeabsichtigter Voreingenommenheit und Diskriminierung sein, angesichts der Wahrscheinlichkeit, dass die Mikrofonqualität mit dem sozioökonomischen Status korreliert, schreiben die Forschenden. Angesichts der Allgegenwärtigkeit von Videokonferenzen wollten sie untersuchen, wie die Tonqualität die Eindrücke der Zuhörenden beeinflussen kann, erklärt Studienautor Prof. Brian Scholl von der Yale-Fakultät für Kunst und Wissenschaften in New Haven, Connecticut.

„Jedes Experiment, das wir durchführten, zeigte, dass ein blecherner oder hohler Klang, der mit einem minderwertigen Mikrofon verbunden ist, die Eindrücke der Menschen vom Sprecher beeinflusst – unabhängig von der übermittelten Botschaft.“ Es sei faszinierend, aber gleichzeitig auch besorgniserregend, so Scholls Fazit, wenn die Wahrnehmung einer Stimme auch durch die verwendete Technologie beeinflusst wird.

Die Forschenden führten für ihre Untersuchung eine Reihe von Experimenten durch, in denen die Teilnehmer eine kurze Sprachaufnahme hörten und anschließend Urteile über den Sprecher/die Sprecherin fällen sollten. In jedem Experiment wurde der Hälfte der Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip eine hochwertige Aufnahme zugewiesen, während die andere Hälfte eine verzerrte Version derselben Nachricht hörte.

Die gesprochene Botschaft war jeweils identisch und die Verzerrungen beeinflussten nicht die Verständlichkeit der Botschaften. Um Letzteres sicherzustellen, wurden die Teilnehmenden in jedem Experiment aufgefordert, die Worte und Sätze, die sie gehört hatten, zu transkribieren, um zu bestätigen, dass sie sie verstanden hatten.

Das Problem: Der Sprecher kann den Effekt nur schwer abschätzen

In den Experimenten variierten die Forscher zudem sowohl das Geschlecht des Sprechers (männlich und weiblich) als auch den Akzent (amerikanisch und britisch). In einigen Experimenten verwendeten sie zudem offensichtlich computersynthetisierte Stimmen, für die die „Sprecher“ eindeutig nicht verantwortlich sein konnten, entweder in Bezug auf ihre Stimmanatomie oder ihre Mikrofonwahl.

Ergebnis: Die Teilnehmenden bewerteten die Sprecher von akustisch reicheren und resonanteren Aufnahmen generell positiver. Sie beurteilten sie als eher geeignet, eine Stelle anzutreten, sowie generell als liebenswerter, intelligenter und glaubwürdiger.

Die Forschenden betonen ein simples Problem in diesem Zusammenhang: Der Sprecher kann seinen eigenen Klang nur indirekt kontrollieren und den Effekt ohne größeren Aufwand so gut wie nicht abschätzen. Bei Videocalls sei man vielleicht der einzige, der nicht weiß, wie man für den Gegenüber klingt, sagt Erstautor Robert Walter-Terrill. „Sie können sich selbst als reich und resonant hören, während alle anderen eine blecherne Stimme hören.“

R. Walter-Terrill, J.D.K. Ongchoco, & B.J. Scholl, Superficial auditory (dis)fluency biases higher-level social judgment, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 122 (13) e2415254122, https://doi.org/10.1073/pnas.2415254122 (2025).

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