Garantiert der Erfolg die Zufriedenheit im Job?
Der NHS England Education North East (vormals HEE North East) und das King's College wollten wissen, welche Erfahrungen die zahnärztliche Belegschaft während ihres Arbeitslebens im NHS macht, einschließlich etwaiger Hürden, Hindernisse und Hilfen. Dazu analysierten die Wissenschaftler eine anonyme Online-Umfrage, die zwischen Februar und Mai 2021 durchgeführt wurde und auf früheren Untersuchungen basiert.
Insgesamt 875 der 1.240 befragten Zahnärzte und MKG-Chirurgen wurden in die Analyse einbezogen. Fast die Hälfte davon (46 Prozent) gab an, ihre Karriere sei „nicht wie geplant“ verlaufen. Die Mehrheit (58 Prozent) berichtete, die Pläne hätten sich geändert und 40,2 Prozent wollten sogar den Job wechseln. Unterm Strich meinten 41,3 Prozent, ihr Werdegang habe sich „wie vorgesehen“ entwickelt. Die meisten Probanden waren weiblich (55,5 Prozent), weiß (75,4 Prozent), Zahnärzte (81,3 Prozent), in England tätig (91,7 Prozent), hatten einen britischen Hochschulabschluss (88,1 Prozent) und arbeiteten in der Primärversorgung (62,9 Prozent).
Die Arbeitszufriedenheit steigt mit den Berufsjahren
Bei der Analyse stellte das Forschungsteam signifikante Zusammenhänge fest zwischen dem individuellen Karriereverlauf („wie geplant“, „geänderte Pläne“ und „Wechsel geplant“) und dem Geschlecht, der Ethnizität, der Arbeitszufriedenheit, den primären Rolleneinstellungen, dem Land des erworbenen Abschlusses und der Dauer der Berufserfahrung. So waren jene Zahnärztinnen und Zahnärzte sehr viel zufriedener mit ihrer Arbeit, deren Fortkommen wie beabsichtigt verlief und die keine Veränderungen im Sinn hatten. Frauen erklärten häufiger als Männer, dass sie ihre berufliche Laufbahn – oft aufgrund von Familienpflichten, aber auch wegen ihres Geschlechts – nicht wie geplant verfolgt haben, ebenso wie Zahnärzte mit Abschlüssen außerhalb des Vereinigten Königreichs.
Im Vergleich zu Zahnärzten in der zweiten Hälfte ihrer Karriere (über 21 Jahre Berufserfahrung) äußerten junge Zahnärzte häufiger Unsicherheiten hinsichtlich eines Karrierewechsels. Den Autoren zufolge sind Zahnärzte in späteren Berufsphasen deutlich erfüllter als Zahnärzte am Anfang ihrer Karriere. Dafür könne es viele Gründe geben: „Im Laufe der Karriere entwickeln Zahnärzte möglicherweise neue Fähigkeiten und sind mit ihrer Entwicklung zufriedener, oder vielleicht haben diejenigen, die zuvor unzufrieden waren, den Beruf aufgegeben und sind daher in dieser Stichprobe nicht vertreten.“
Die wichtigsten Ergebnisse
Bei vielen Zahnärzten verlief die Karriere nicht wie ursprünglich geplant. Mehr als die Hälfte berichteten, dass sich ihre Pläne änderten.
Zahnärzte, die ihre ursprünglichen Pläne verfolgten, waren im Job zufriedener. Das zeigt den Autoren zufolge, wie wichtig realistische Erwartungen für die langfristige berufliche Erfüllung sind.
Faktoren wie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und die berufliche Position können die Zufriedenheit im Beruf und den beruflichen Werdegang beeinflussen.
Anpassungsfähigkeit und Offenheit für berufliche Veränderungen sind für die Zufriedenheit und das berufliche Wachstum von entscheidender Bedeutung.
Zufriedener in ihrem Job waren zudem Personen, die außerhalb der Primärversorgung arbeiteten, mehr als eine Funktion innehatten und entweder Facharzt waren oder über erweiterte Skills verfügten. Die Forschenden verwiesen in dem Zusammenhang auf Untersuchungen, wonach durch „Job Crafting“ die Eignung der Person für die jeweilige Position steige, was zu einer höheren Arbeitszufriedenheit führe.
Viele Zahnärztinnen sind in ihrem Job nicht happy
Freitextkommentare zeigten demnach auch, dass einige Teilnehmerinnen den beruflichen Aufstieg neben der Familie als schwierig empfanden, da ihnen die Zeit für die Ausbildung fehlte, sie für die Weiterbildung zur Fachärztin oder Spezialistin nicht umziehen konnten, und es entsprechende Teilzeitangebote oder flexible Arbeitszeitmodelle nicht gab, um Arbeit und Familie unter einen Hut zu kriegen. „Es ist wichtig, dass der Berufsstand und die Politik die Herausforderungen, denen sich Frauen gegenübersehen, ernst nehmen“, schreiben die Autoren. „So können wir sicherstellen, dass wir unsere Belegschaft halten können, insbesondere da zwei Drittel der Zahnmedizinstudenten sowie die Mehrheit der Belegschaft weiblich sind.“
Es sei zu hoffen, dass die Bereitstellung alternativer Ausbildungswege einige der Barrieren für den Zugang zu Weiterbildung beiseite räumen. Besonders wichtig sei, die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Primärversorgung zu gewährleisten, da die Mehrheit der Zahnärzte dort beschäftigt ist.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Geschlecht, Arbeitszufriedenheit, Haupttätigkeit, Herkunftsland und Dauer der Berufserfahrung die Karrierepläne von Zahnärzten beeinflussen, unabhängig davon, ob sie 'wie geplant' verlaufen, ob sie 'ihren Plan geändert haben' oder 'eine Änderung planen'“, resümieren die Autoren. „Insgesamt war die berufliche Zufriedenheit relativ hoch, wenn man bedenkt, dass diese Untersuchung während der COVID-19-Pandemie stattfand.“ Weitere Arbeiten zu dem Thema sollten folgen, um Zahnärzte bei der Verwirklichung ihrer Karrierewünsche zu unterstützen und um eine geeignete Belegschaft sicherzustellen, die den Versorgungsbedarf der Bevölkerung deckt.
Clark, M., McGregor, A., Khairuddin, A. et al.: Dental careers: findings of a national dental workforce survey. Br Dent J 238, 249–256 (2025). doi.org/10.1038/s41415-024-8234-6