„Kunst und Medizin III“
Im Zentrum steht der Pionier der Infektionslehre: Robert Koch. Der hatte es vom Landarzt zum Nobelpreisträger gebracht. 1876 schaffte er es bekanntlich, den Erreger des Milzbrands außerhalb des Organismus zu kultivieren und dadurch erstmals lückenlos die Rolle eines Krankheitserregers beim Entstehen einer Krankheit zu beschreiben. 1882 entdeckte er den Erreger der Tuberkulose, 1905 erhielt er den Nobelpreis für Medizin. Eine Darstellung zeigt eine Impfszene aus dem 19. Jahrhundert. Bücher, Karikaturen und Briefmarken erinnern an die Rezeption seiner Lehre weltweit.
Im Eingang fällt der Blick direkt auf eine großflächige Reproduktion eines Plans der Charité aus dem 19. Jahrhundert. Die Schau beleuchtet auch die Entwicklung des Krankenhauswesens in Deutschland und Europa vom Mittelalter bis in unsere Zeit. Ein Krankenhausmodell, das das Krankenhausmuseum in Bielefeld zur Verfügung gestellt hat, fügt sich dabei perfekt in die „Orte der Heilung“ ein.
Orte der Heilung
Gezeigt wird das Heilig-Geist-Spital in Nürnberg, im Mittelalter die größte städtische Einrichtung zur Versorgung von Kranken und Alten in der Reichsstadt, ebenso wie das Santo Spirito in Rom (in einen französischen Stich aus dem 18. Jahrhundert). Zu sehen sind die medizinischen Anstalten der Universität Heidelberg und das Krankenhaus Bethanien in Berlin-Kreuzberg.
Der erhaltende Bau wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts von den Architekten Ludwig Persius und Theodor August Stein nach modernsten Erkenntnissen in Hygiene und Patientenversorgung konzipiert und als Vermächtnis des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. erbaut.
Der Blick führt dann ins Innere des Menschen durch die Strahlen, die Konrad Röntgen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte und für die Medizin nutzbar machte. Ins Auge fällt besonders das großformatige Werk von Thomas Baumgärtl: „Kopf Nr.1“.
Es zeigt einen Schädel im Profil. Vor allem im Bereich der oberen Molaren und der Halswirbelsäule ist die Farbe so dick aufgetragen, dass diese Bereiche reliefartig hervorstehen. Ins Werk wurden Kapseln und Tabletten eingearbeitet. Dadurch entsteht beinahe die Wirkung eines plastischen medizinischen Modells.
Ausgestellt ist ebenfalls die Plastik „Menschlicher Schädel“ der 1956 in Essen geborenen Bildhauerin Katharina Fritsch, die seit 2010 eine Professur für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf innehat.
In der Sektion „Kampf auf Leben und Tod“ beleuchten Gemälde von OP-Szenen das chirurgische Ringen um das Leben der Patienten. Gezeigt wird auch das Buch „Joseph Beuys und die Medizin“ von Axel Murken aus dem Jahr 1979. Der Düsseldorfer Künstler verwendete in seinen Kunstwerken immer wieder Heilkräuter, Medikamente und medizinische Abfallprodukte.
Das helfende Fluidum
Im Bereich „Heilung im Bild, heilende Bilder“ hängt das Gemälde von Christa Murken von 2022, das die Fango-Behandlung einer Frau zeigt. Der heilende Schlamm kam seit dem 19. Jahrhundert in der Bädertherapie gegen Rheuma, Muskelverspannungen, Gelenkentzündungen und diverse Hautleiden zum Einsatz. Diesem Beispiel für Heilung in der darstellenden Kunst, stehen Votivbilder gegenüber, die zur Heilung von Patienten beitragen sollten.
Zu sehen sind die Skulptur der Gelben Madonna von Katharina Fritsch und ein Büstenrelief einer Madonna. Besonders interessant ist auch ein kleiner Homöopathie-Hausapotheken-Kasten aus der Zeit zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert.
Neben der Entwicklung der medizinischen Infektionslehre und des Krankenhauswesens sowie dem Blick ins Innere des Menschen, geht es in der Ausstellung „aber auch um den Glauben, den Placeboeffekt, um Meditation und um das Fluidum, das Menschen hilft, wieder auf die Beine zu kommen“, wie es im Flyer heißt.
Die Ausstellung im Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden, Benrather Str. 32a, läuft noch bis zum 20. Juli.