Medizin

Laborentwicklung: Hämolytikum ohne Blutungsneigung

sp/pm
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Wissenschaftler haben im Labor ein Medikament entwickelt, das zwar das Blut verdünnt, aber keine erhöhte Blutungsneigung zeigt.

Die medikamentöse Blutverdünnung zur Gerinnungshemmung ist eine der wichtigsten medizinischen Strategien zur Vorbeugung und Behandlung von Durchblutungsstörungen. Allerdings kann es auch immer wieder bei invasiven Therapiemaßnahhmen zu Komplikationen kommen, die auch aus der Zahnarztpraxis hinreichend bekannt sind.

Lebensretter mit Risiken

Um thrombotische Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenembolie zu verhindern, ist der Einsatz von Blutverdünnern weit verbreitet. „Alle bislang verwendeten Substanzen wie Heparin, die neuen oralen Antikoagulanzien oder das klassische Marcumar sind jedoch mit einem erheblichen Risiko für die Patienten verbunden. Sie beeinträchtigen im Verletzungsfall die Blutgerinnung, so dass lebensgefährliche Blutverluste die Folge sein können“, erläutert Prof. Dr. Dr. Thomas Renné, seit Juli 2013 Direktor des Instituts für klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Aus diesem Grund müssen Patienten, die Marcumar nehmen und sich einer geplanten Operation unterziehen, zur Vermeidung von Komplikationen nach Rücksprache ihres behandelnden Arztes häufig mehrere Tage vor dem OP-Termin den Blutverdünner absetzen.

Ein Forscherteam um Renné hat nun im Labor zusammen mit Wissenschaftlern aus dem Karolinska Institut, Stockholm, und dem Pharmaunternehmen CSL Behring erstmals eine neue Art der Gerinnungshemmung entwickelt, die im Gegensatz zu den bisher klinisch eingesetzten Substanzen keine Blutungskomplikationen aufweist.

Blockierter Hageman-Faktor

Die Wissenschaftler stellten mit dem Antikörper mit der Bezeichnung 3F7 erstmals einen Wirkstoff her, der Thrombosen verhindert, ohne dabei die Blutungsneigung zu erhöhen. Renné: „Dieser Antikörper blockiert das Enzym Faktor XII, den so genannten Hageman-Faktor. Dieses Enzym ist mitverantwortlich für die Entstehung von Thrombosen, spielt aber offenbar keine wichtige Rolle bei den Blutgerinnungsprozessen.“ Menschen, denen Faktor XII fehlt, haben eine völlig normale Blutstillung bei Verletzungen.

Das Forscherteam konnte nachweisen, dass der Antikörper sich direkt an das aktive Zentrum des Enzyms andockt und es sehr spezifisch blockiert. Laboruntersuchungen und Tests zur klinischen Anwendbarkeit, etwa in Herz-Lungen-Maschinen, verliefen erfolgreich. „Die Gabe von 3F7 verhindert effektiv das Entstehen neuer Thrombosen; gleichzeitig steigt das Risiko von Blutungen nicht an“, erläutert der Wissenschaftler.

Verlaufen die weiteren Forschungen und die sich anschließenden klinischen Prüfungen weiter so vielversprechend, könnten in fünf bis zehn Jahren entsprechende Medikamente auf den Markt kommen, die zur risikoarmen Vorbeugung von Schlaganfällen und Herzinfarkten eingesetzt werden.

Die Erkenntnisse werden in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht.

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