Universität Greifswald

Kocher erhält EFP Distinguished Scientist Award

mg
Gesellschaft
Die European Federation of Periodontology (EFP) zeichnete zum zweiten Mal einen deutschen Zahnmediziner mit dem Distinguished Scientist Award aus: den Greifswalder Seniorprof. Thomas Kocher. Damit würdigt die weltweit größte parodontologische Fachgesellschaft das Lebenswerk des 70-Jährigen.

„Als ich von der Auszeichnung erfuhr, war ich sehr überrascht“, betont Seniorprof. Thomas Kocher, „immerhin muss man für diese Award-Kategorie vorgeschlagen werden – und es waren ziemlich viele Kollegen dafür im Rennen.“ Dass er für diese Auszeichnung nun ausgewählt wurde, erfülle ihn mit Freude: „In meiner wissenschaftlichen Laufbahn habe ich viele Höhepunkte erlebt und wenn ich sehe, dass meine allererste Idee nach dreißig Jahren noch immer auf dem Markt ist, erfüllt mich das mit Stolz.“

Kocher entwickelte zusammen mit Firmen verschiedene Behandlungsinstrumente, zum Beispiel Geräte zur Entfernung von Zahnstein oder zur Behandlung von Zahnimplantaten. Neben der Geräteentwicklung spielt Kocher auch im Rahmen der Study of Health in Pomerania (SHIP) eine bedeutende Rolle. Nachdem er in Tübingen, Münster, Göteborg und Kiel gearbeitet hatte, kam er 1995 nach Greifswald – „das war genau zur richtigen Zeit, denn da bin ich in SHIP hineingerutscht“, sagt er.

„Kocher brachte die Zahnmedizin in die NAKO“

Der Award-Träger implementierte den zahnmedizinischen Anteil in dem weltweit umfangreichsten Langzeitstudienprojekt und veröffentlichte kontinuierlich Publikationen aus SHIP. „Wir konnten zum Beispiel herausfinden, dass sich die orale Situation in den ostdeutschen Bundesländern in der Spanne von 15 Jahren stetig verbessert hat“, betont Kocher. Dabei spiele das Zähneputzen insbesondere mittels elektrischer Zahnbürste eine wesentliche Rolle. „Der Gebrauch einer elektrischen Zahnbürste führte nicht nur zu mehr Zahnerhalt, sondern trägt auch zu einer verbesserten Zahnfleischsituation bei“, fasst er zusammen.

Anhand der SHIP-Daten konnte Kocher auch nachweisen, dass ein schlecht eingestellter Diabetes einen negativen Einfluss auf Parodontitis hat, erinnert die Universität Greifswald. Und erst durch den Einsatz des Preisträgers sei auch in der Nationalen Kohorte (NAKO) – der größten Gesundheitsstudie Deutschlands – ein zahnmedizinischer Untersuchungsteil eingeschlossen worden.

Die Auszeichnung erfolgte am 29. März in Birmingham. In seiner Laudation betonte der Wissenschaftliche Vorstand Prof. Karlhans Endlich: „Mit dem Award wird ein herausragender und international anerkannter Wissenschaftler ausgezeichnet.“ Kochers Name sei unmittelbar verknüpft mit der SHIP. Er habe für die Patientenbehandlung wesentliche Ergebnisse publiziert. „Sein starker Anwendungsbezug zeigte sich nicht zuletzt auch in den jahrzehntelangen Kooperationen mit industriellen Vertretern“, so Endlich.

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