„75 Prozent der US-Wissenschaftler überlegen auszuwandern“
Die massiven Veränderungen in der US-Forschung, die durch die neue Regierung von Präsident Donald Trump eingeleitet wurden, veranlassen offenbar viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Landes, ihr Leben und ihre Karriere in den USA zu überdenken, schreibt Nature. Mehr als 1.200 Teilnehmende erwägen einer entsprechenden Umfrage zufolge, die Vereinigten Staaten aufgrund der ausgelösten Verwerfungen zu verlassen. Europa und Kanada seien dabei die favorisierten Ziele. Besonders ausgeprägt war der beobachtete Trend bei Forschern, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen: Von den 690 postgraduierten Forschern, die an der Befragung teilnahmen, erwägen 548 (79 Prozent), das Land zu verlassen. Dasselbe gilt für 255 von 340 (75 Prozent) der Doktoranden.
Trumps Regierung hat die Forschungsmittel zum Teil drastisch gekürzt. Zehntausende von Bundesbediensteten, darunter viele Wissenschaftler, wurden aufgrund der Kostensenkungsbemühungen von Elon Musk oder auf richterliche Anordnung entlassen, es drohen weitere Massenentlassungen (zm berichtete).
Gleichzeitig hätten das harte Vorgehen gegen Einwanderer und die Kämpfe um die akademische Freiheit viele Forschende verunsichert, schreibt Nature. Das Wissenschaftsmagazin hatte seine Leserinnen und Leser gefragt, ob die aktuellen Veränderungen sie dazu veranlassen, die Vereinigten Staaten zu verlassen. Rund 1.650 Personen hatten teilgenommen. Viele Befragte machten erklärende Freitexteingaben. „Dies ist meine Heimat – ich liebe mein Land wirklich“, schrieb laut Nature ein Doktorandin an einer US-Spitzenuniversität, die im Bereich Pflanzengenomik und Landwirtschaft arbeitet. „Aber viele meiner Mentoren haben mir gesagt, ich solle sofort auswandern.“
„Es bricht einem das Herz“
Diese Studentin habe ihre Forschungsunterstützung und ihr Stipendium verloren, als die Trump-Regierung die Mittel für die US-Behörde für internationale Entwicklung einstellte. Nun müsse sie sich um eine der hart umkämpften Stellen als Lehrassistentin bewerben, um den Rest ihres Studiums zu finanzieren, gab sie zu Protokoll. Aufgrund ihres Interesses an der internationalen Landwirtschaft habe sie bereits ein Postdoc-Stipendium im Ausland in Erwägung gezogen. Der Verlust ihrer Finanzierung und die Entlassung einiger ihrer Kollegen bestärkten sie in in diesem Vorhaben.
US-Wissenschaftler warnen Trump in offenem Brief
Forschende der National Academies of Sciences, Engineering and Medicine haben die Regierung des US-Präsidenten Donald Trump in einem offenen Brief dazu aufgefordert, die Kürzungen für wissenschaftliche Einrichtungen einzustellen. Mehr als 1.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzeichneten das Schreiben, in dem vor dramatischen Folgen gewarnt wird. In der Forschungsgemeinschaft ist ein Klima der Angst eingekehrt, schreiben sie. „Forscher, die Angst haben, ihre Finanzierung oder ihren Arbeitsplatz zu verlieren, entfernen ihre Namen aus Veröffentlichungen, geben Studien auf und schreiben Förderanträge und Papiere um, um wissenschaftlich korrekte Begriffe (wie „Klimawandel“) zu streichen, die von den Behörden als anstößig bezeichnet werden.“ Obwohl einige in der wissenschaftlichen Gemeinschaft lautstark protestiert haben, hätten die meisten Forscher, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Berufsverbände geschwiegen, um die Regierung nicht zu verärgern und ihre Finanzierung nicht zu gefährden. „Wenn die Forschung in unserem Land abgebaut wird, werden wir unseren wissenschaftlichen Vorsprung verlieren. Andere Länder werden bei der Entwicklung neuartiger Krankheitsbehandlungen, sauberer Energiequellen und der neuen Technologien der Zukunft führend sein“, warnen die Unterzeichnenden. „Ihre Bevölkerungen werden gesünder sein, und ihre Volkswirtschaften werden uns in den Bereichen Wirtschaft, Verteidigung, Informationsgewinnung und Überwachung der Gesundheit unseres Planeten übertreffen. Es könnte Jahrzehnte dauern, bis der Schaden, der dem wissenschaftlichen Unternehmen unseres Landes entstanden ist, wieder gutgemacht ist.“
„Es bricht einem das Herz, wenn man sieht, dass die ganze Arbeit eingestellt wird“, sagt sie. Die Studentin hofft, in Zukunft in die Vereinigten Staaten zurückzukehren, wenn sich die Umwälzungen in der Forschungslandschaft beruhigen.